TPU for AMS - Stärken? Einsatzzweck? Erfahrungen?

Hallo zusammen,

im 3D-Druck bin ich noch frisch unterwegs: Ich habe mich eingelesen und bereits einige erfolgreiche Drucke mit dem P2S, den ich seit Mitte Januar besitze, und dem in den vergangenen Tagen gekauften H2D umgesetzt, sehe mich aber klar als Anfänger, der das Ganze als Hobby betreibt. Gedruckt habe ich bisher mit PLA sowie PETG HF und demnächst, mit der nächsten Lieferung Ende der Woche, traue ich mich an ASA heran.

TPU for AMS klingt für mich zunächst spannend. Gleichzeitig lese und höre ich bisher überwiegend Kritisches dazu – sowohl in Foren als auch in diversen YouTube-Videos, in denen dieses Filament oft eher negativ bewertet wird.

Vielleicht naiv gedacht, aber ich gehe davon aus, dass es für dieses Material einen konkreten Einsatzzweck geben muss. Und genau dann, wenn es seine Stärken ausspielen kann, dürfte es ja sinnvoll und nützlich sein. Deshalb meine Fragen an euch, die ihr in dem Bereich bereits praktische Erfahrung habt:

  • Wofür ist TPU for AMS konkret gedacht?

  • Mit einem Shore-Wert von 68D ist es vergleichsweise „hart“, insbesondere im Vergleich zu klassischem TPU mit 95A. Gleichzeitig handelt es sich aber immer noch um TPU – ein Material mit einer großen Bandbreite an Eigenschaften.

  • PLA liegt etwa bei 75–85D, PETG bei 70–80D, ASA in einem ähnlichen Bereich. Wo liegt also der konkrete Vorteil von TPU for AMS gegenüber diesen Materialien?

  • In welchen Anwendungen spielt dieses Filament seine Stärken wirklich aus?

Ich würde mich sehr über Praxisbeispiele, idealerweise aus eigener Erfahrung, freuen – ebenso über eure Einschätzungen, Gedanken und Hinweise.

Viele Grüße
Stephan

Da ich mich mit dieser Frage auch schon beschäftigt habe und mich fast daran kaputtgelesen habe, hier meine absolut vereinfachte Zusammenfassung:

Meiner Meinung nach macht TPU for AMS nur Sinn, wenn man TPU in verschiedenen Farben drucken muss und es demnach in das AMS einlegen muss. Alternativ auch verschiedene Farben oder Materialien mischen.

Ansonsten spricht nichts dagegen, jegliches TPU einfach auf den Rollenhalter zu setzen, was bei weicherem TPU ohnehin schon Pflicht ist.

TPU for AMS ist halt trotzdem noch so hart, weshalb es den negativen Ruf hat, dass man sich fragt, welche Daseinsberechtigung es hat. Natürlich gibt es Anwendungszwecke, aber das, was sich die meisten unter leichtem Nachgeben und Elastizität vorstellen, ist damit nicht vereinbar.


Und jetzt kannst du alles vergessen, was ich geschrieben habe, denn es zählt nur eines: Wie elastisch brauchst du es? Danach richtet sich alles andere eh aus. - und da wird es dir vermutlich gehen wir mir damals, kein Plan! :sweat_smile:

Da kann das eine oder andere TPU noch so schön sein, du musst auswählen, wofür du es brauchst. Keine Ahnung, z. B. Handyhüllen oder Dämpfer für Türen. Dieses Video war für mich der Durchbruch und hätte mir viele Gedankengänge und unnötiges Lesen gespart.

Danke dir für deine Antwort.
Und insbesondere für das Video – das schaue ich mir morgen (genauer formuliert: nach dem Schlafen) an.

Mehrere Farben bequem drucken zu können, ist ein Punkt.

Allerdings würde es auch wenig helfen, wenn man weich-elastisch in mehreren Farben drucken müsste.

Genau das, was du im vierten Absatz schreibst, beschäftigt mich. Was ist der Nutzen eines TPU im Vergleich z. B. zu PETG mit nahezu gleicher Shore-Härte? Was ist der Einsatzzweck? Wo spielt es seine Stärken aus?

Natürlich ist TPU für AMS sinnlos, wenn ich es weich und gummiartig benötige.
Meine Frage ist und bleibt: Wo macht es – warum – Sinn?

Gute Nacht
wünscht

Stephan

Mir ist klar, dass es nicht die Antwort ist, die du hören willst. Aber sie beantwortet doch die große Frage:

  • Marketing: Dass Bambu werben kann, das selbst das kleine AMS Lite TPU unterstützen, die wenigsten Kunden kennen sich mit Härtegraden aus.
  • Printfarmen: Wenn der Kunde sich TPU wünscht, weil Grund, muss kein Mitarbeiter das auf einen extra Spulenhalter legen, einfädeln und evtl. Verschlauchung ändern. Er kann das automatisiert vom Büro über das AMS machen.

Um jetzt eher auf deine eigentliche Frage zurück zu kommen: TPU hat ja trotz allem Vorteile gegenüber PLA:

  • TPU profitiert von seiner hohen UV-Stabilität, guter Witterungsbeständigkeit und hoher Abrieb- und Reißfestigkeit. TPU ist auch nach der Verarbeitung beständig gegen Öle und Fette sowie einige Lösungsmittel.

Also ist hiermit schon mal deine Frage beantwortet, warum sich jemand für TPU statt PLA entscheidet.


Um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Wenn man ähnliche Eigenschaften haben will wie PLA, aber die oben erwähnten Vorteile von: Beständig gegen Öle und Fette sowie einige Lösungsmittel


Jetzt aber der Knackpunkt, jetzt stellt sich die Frage, ob man nicht gleich zu anderen Materialien greift, aber das Problem: z.B. ein offener A1 unterstützt eben nicht alle Materialien bzw. Filamentsorten. Da ist das Schmerzfreiste und Kompromisslösung eben auch ein TPU für AMS.

Hallo stefu,

Ich war auch überrascht von der Härte von TPU for AMS und musste umdenken.

Ich hab bisher damit Teile fürs Auto gedruckt, die höhere Temperatur aushalten müssen und UV-Beständig sein müssen.

Schöne Woche

Peter

Das TPU-for-AMS hat eine Härte von 68D - da kannst fast schon PLA nehmen.

Das zeug hat mit TPU, welches man z.b. für Dichtungen, usw. nutzt, nichts zu tun, ist zu hart dafür.

Ich hab das mit einem Bekannten getestet und wir beiden war absolut nicht begeistert und sind auf normale TPU zurück gewechselt, auch wenn das nicht per AMS nutzbar ist.

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Ich setze TPU for AMS gern da ein, wo das Bauteil es aushalten muss, dass es auch mal etwas gebogen wird.

Bei PLA bist du sehr schnell bei plastischer Verformung, d.h. die Verformung ist dauerhaft und geht nicht mehr weg.

TPU for AMS wird sich zuerst elastisch verformen. Bei den Kabel-Clipsen, die ich für meinen Festool Sauger entworfen habe, schwöre ich auf TPU for AMS.

Hallo zusammen,

einen ganz lieben Dank euch allen für eure Antworten.

Da waren einige gedankliche Anregungen dabei für mich und wenn die Erwartungshaltung passt, scheint es eine Daseinsberechtigung zu haben, auch wenn es wahrscheinlich eher eine Kompromisslösung darstellt.

@RetroSharky:
Doch, genau das ist die Antwort, die ich lesen mag.

Natürlich geht es um Marketing. Und auch darum, die bequeme Nutzung des AMS in den Vordergrund zu stellen. Nachvollziehbar.
Doch das Thema UV-Stabilität, gute Witterungsbeständigkeit und hohe Abrieb- und Reißfestigkeit sowie die Beständigkeit gegen Öle und Fette sowie einige Lösungsmittel zeigen zumindest schon einmal, wo die Stärken liegen. Und warum es eventuell sinnvoll sein kann, dieses TPU zu nutzen.

So ist es für mich gut nachvollziehbar, warum man es z. B. anstatt PLA bevorzugen könnte. Insbesondere der Hinweis auf einen offenen Drucker, der mit anderen Materialien eventuell schwer bis gar nicht zurechtkommt, erscheint mir durchdacht.

Jetzt muss ich mich mal hinsetzen und schauen, was hohe Abrieb- und Reißfestigkeit bedeutet und wie genau es sich unterscheidet. Alles Neuland – aber ein spannendes Neuland.

@PeteroFre
Danke dir, für den Hinweis mit Teilen fürs Auto, die höhere Temperaturen standhalten müssen und UV-beständig sein sollten.

Hast du hier Werte für das Material? Auf Bambu Lab Shop fand ich lediglich:

Glass Transition Temperature DSC, 10 °C/min: N / A
Crystallization Temperature DSC, 10 °C/min: N / A
Vicat Softening Temperature ISO 306, GB/T 1633: N / A
Heat Deflection Temperature ISO 75 1.8 MPa: N / A
Heat Deflection Temperature ISO 75 0.45 MPa N / A

Was ich schade finde und was mich, als ich mich das erste mal damit beschäftigte, störte.
Vicat Softening soll so bei ca. 140 Grad liegen; aber da schwanken die Angaben in Foren & Webseiten.

@ThomasHermans:
Jepp, das war auch mein erster Gedanke.
Wenn ich etwas "Gummiartiges” möchte, bin ich damit falsch bedient.
Deswegen der Ansatz: Wofür ist es gedacht? Was ist seine Stärke?
Einfach, damit ich nichts übersehe und vielleicht dochNutzenndarauss ziehen kann.

Da fand ich die Gedanken von RetroSharky ganz nützlich.
Dieses Abrieb- und Reißfestigkeit (hier muss ich mich noch einlesen), Stabilität gegen Öle, Fette und einige Lösungsmittel. Witterungsbeständigkeit und UV Resistenz. Und natürlich der Hinweis auf den A1 - also offene Drucker.

Und auch PetroFre, der die Hitzebeständigkeit in Kombination mit UV-Beständigkeit nutzt.

Dass bei deiner Erwartungshaltung eine Enttäuschung eintritt, ist klar. Das wird sehr vielen so gegangen sein, die sich freuten endlich mit AMS drucken zu können. Mir zeigte es insbesondere auf, dass TPU nicht zwingend “weich” sein muss. Und es da Variation gibt. Spannend, irgendwie.

Bei weicheren TPU stört mich aktuell der Gedanke, dass es Gefriemel ist und ich es direkt in den Extruder geben soll. Die eierlegende Wollmilchsau bleibt weiterhin (leider) Utopie.

@makerl1969 :
Ah, auch gut zu wissen.

Heißt, das Material kann sich - nicht so stark wie ein 95A - biegen und dann wieder die ursprüngliche Form annehmen. Also ideal auch für Federn, weil diese Belastung aushalten müssen und den Ursprungszustand länger beibehalten müssen. Prima zu wissen.

Nochmals vielen Dank
und einen schönen Abend
wünscht
Stephan

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Hier ein gutes Video zu diesem Thema

Beim Temperatur Test verbiegt es sich unter Belastung bei 80 Grad

Hier mal ein Bild von meiner iPhone Autohalterung, neu gedruckt in TPU AMS. Die vorherige Halterung war mit Extrudr GreenTEC gedruckt was bis 115 Grad Celsius (VST) stabil sein soll. Das war es auch, es hat sich nicht verbogen, aber nach 3 Jahren im Auto war die Layerhaftung stark zurück gegangen, man konnte das Teil mit der Hand auseinander nehmen.

Mal sehen wie sich TPU AMS im Langzeitversuch schlägt.

Das nenne ich mal eine Apple-Halterung. :blush: